WERKTITEL:

Objekte:

- Seilkraft-Entfalter 1979
- Regenwasser-Rostwasser-Umwandler 1979
- Windzeiger 1980
- Nordzeiger I 1980
- Hausung 1982

mobile Objekte:

- Nordzeiger II:
eine Orientierungshilfe im weglosen Gelände,
falls sich eine Stelle mit ruhendem Wasser findet 1981
- Titel: - noch zu bestimmen - 1990
- Invagination 1992/93
- Entgegenstand I,II 1995/96
- Entäusserung I,II 1996/97

Installationen:

- hinter der Wand
beginnt vielleicht das Meer 1980
- Inmitten des geöffneten Dazwischen 1990
- Restlicht - Nachhall 1992
- dem VORAUFBEHALTENEN entgegen 1992
- angenommen:
denken ist Linie - fühlen ist Fleck 1993
- ERNST SPIELT ERNST 1998
- la présence de l’absence 2000
- Nebel befeuchtet den Lehm am Weg 2015/17
- in der noch horizontlosen Morgendämmerung
weiten sich die Umrisse 2016/17
- nur mehr -
vom eigenen Atemhauch umweht 2016/17
- Schwellen unentwegt 2017
- mit der Verdunklung aufziehender Gewitter
treten die Kanten der Umrisse
mit doppelter Schärfe hervor 2019
- das sich aufwölbende Firmament
zerfliesst am Horizont 2019
- im suchenden Rhythmus
gibt sich ein Vorflimmern der Melodie. 2020

Video:

cloud noise 2011
time streching 2012
jeuT 2013
give time time 2013
remis 2014
random walk 2014
line-noise 2014
color flow 2014
digital walk 2015
color cloud 2016
texture groove 2016
dream texture 2016
rollover 2018
in between 2018

REDEN / TEXTE

Rede zur Eröffnung der Dezemberausstellung Fokus 2014/15 im Kunstmuseum Winterthur

Ich begrüsse Sie im Namen der Künstlergruppe Winterthur.
Die Künstlergruppe ist Partner des Kunstmuseums für die traditionsreiche Dezemberausstellung, die heute eröffnet wird.
Nun ist es ja nicht gerade einfacher geworden für die Künstlerinnen und Künstler die hier in der Region Winterthur arbeiten.
Da ist zu einen das wirtschaftliche Umfeld das geprägt ist von Turbulenzen und Verwerfungen, welches ein Klima der Unsicherheit erzeugt und sich lähmend auswirkt.
Zu anderen nehmen die sich polarisierenden Spannungen auf dem politischen Parkett in einem Masse zu, dass auch konstruktive Kompromisse kaum mehr zustande kommen und zeitgemässe Kunstförderprogramme nicht durchsetzbar sind.
Dazu kommt die zunehmenden Informationsflut, welche "turbulente" Ausmasse annimmt, und es für die Kunstschaffenden schwer wird, sich Gehör zu verschaffen, Aufmerksamkeit auf ihre Werke zu lenken und zu binden. Da helfen die Neuen Medien, - die sich selbst "sozial" nennen - wenig. Der Wirkkreis, der Echoraum bleibt weitgehend auf den regionalen Perimeter beschränkt. Ein Aufbrechen dieser Grenzen, das Oeffnen dieses Echoraumes glückt nur wenigen.
Unter diesen Umständen kann der Eindruck bei den Kunstschaffenden entstehen, in einem schalltoten Raum zu arbeiten und ein Gefühl der Vereinzelung kann überhand nehmen.
Der Zweck der Künstlergruppe setzt hier an.
Durch den Zusammenschluss erhalten die Anliegen der KünstlerInnen mehr Gewicht und diese können nicht mehr mit einer Handbewegung vom Tisch gefegt werden. Durch den wechselseitigen Kontakt in der Gruppe kann ein Gefühl der Solidarität entstehen, was bei den schwierigen Arbeitsbedingungen notwendig ist.
Es zeigt sich denn auch, dass gerade jetzt, in diesem unwirtlichen Umfeld, die Anzahl der Anfragen für eine Mitgliedschaft, überraschend hoch ist. Wir sind also, auch nach beinahe 100 Jahren, attraktiv und nach wie vor vital unterwegs.

Und nun einige Worte zur Ausstellung.
Aus dem weiten Feld von künstlerischen Äusserungen hat Simona Ciuccio ein Auswahl getroffen, gleich wie ein Fotograf mit seiner Optik Ausschnitte wählt, heranzoomt und scharf stellt, eben fokussiert, - wie es sich im Titel der Ausstellung ankündigt.
Die gezeigte Auswahl ist zuerst einmal geleitet vom subjektiven Empfinden der Kuratorin, welche diejenigen Werke herausstellt, die sie ansprechen und berühren und ihr Interesse wecken. Dieses subjektives Urteil ist jedoch, so spürt man, - an einer Folie reflektiert, welche die Koordinaten der kunstgeschichtlichen Zusammenhänge als Basis hat.
Die sehr sorgfältige Inszenierung der gewählten Werke in der Räumen des Museums, gleicht dem Montageprozess eines Films bei dem die Ausschnitte in einer Abfolge von Sequenzen, gesetzt werden - hier die Abfolge der Räume - um ein spannungsvolles Nebeneinander mit dialogischen Wechselwirkungen beim Gang durch die Ausstellung zu erzeugen.
Wenn ich nun meinen Gesamteindruck der Ausstellung hier zusammenfassen darf, würde sagen, es ist eine Meditation zu Thema "Bild",- dessen Möglichkeiten und Potentiale im Horizont des aktuellen Kunstdiskurses.
Ein Schwerpunkt der dem Profil des hiesigen Kunstmuseum entspricht.
Es sind denn auch vor allem Bilder, welche die Hauptpräsenz bilden - vergleichsweise viele Fotoarbeiten sind dabei, aber auch die Filmarbeit von Hannes Schüppach ist zuerst einmal ein künstlerisches Umkreisen um das Zentrum Bild und nicht ein filmisches Erzählen mit einem narrativen Handungsablauf. Hier werden die Filmbilder einzeln komponiert und in eine strukturierte Abfolge gebracht, die vom Klang und Rhythmus lebt, gleich einem "slam-poetry" mit additiven Wiederholungen und harten Schnitten.

Das thematische Ausloten des Möglichkeitsraumes der Bildfindung in der präsentierten Ausstellung spannt sich auf, zwischen einerseits den Werken von Christoph Eisenring der die Bildmittel so stark reduziert, dass eine Nähe zum "Fast-nichts-mehr" entsteht und sich eine meditative Stille auftut, die sich dem Getöhse der heutigen Welt gleichsam entgegenstellt.
Auf der anderen Seite, vielleicht die Arbeit von Mia Diener, die versucht, die heterogene Komplexität der heutigen Wirklichkeit mit unterschiedlichen bildnerischen Mitteln auf Zusammenhänge und Bezüge zu erkunden, um dann schlussendlich diese Vielfalt in der Gesamtform eines Dreiecks zu einer Einheit zusammenzufügen.
Ron Temperli legt ein Panoptikum aus, das von seiner Leidenschaft erzählt, alles was in seinem Alltag auftaucht, in kleinformatigen Bildnotationen festzuhalten und diesen Fundus, - gleichsam als Bodensatz auslegt, über dem dann noch die vibrierenden Nachbilder eines Kerzenlichts schwebt.

Schlussendlich die installative Arbeit von Esther Mathis, eine Arbeit, die durch den gewählten konzeptionellen Ansatz eine faszinierende Werkauffassung ins Spiel bringt, die vom zentralen Thema der Ausstellung am meisten abweicht. Esther setzt einen selbstgenerierenden Prozess in Szene, der eine nicht vorhersehbare Konfiguration von Spuren auf den ausgelegten Bodenplatten hinterlässt. Damit wird ein zeitlicher Faktor in das Werk eingebracht und eine fortwährende Wandlung in Gang gesetzt.
Mit dem Inszenieren eines selbstgenerierenden Prozesses, wird eine Position von der Künstlerin eingenommen, die auf den Anspruch eines umfassenden "Beherrschen-wollens" dessen was sichtbar wird, verzichtet und eine Haltung umgesetzt, die sein lässt, was sich gibt. Dieser Verzicht auf ein totalisierendes Beherrschen-wollen gegenüber der Wirklichkeit, ist getragen von einer Haltung von der ich wünschte, dass diese im gesellschaftlichen Bewusstsein vermehrt an Bedeutung gewänne.

Zum Schluss wünsche ich ihnen einen anregenden Gang durch die Ausstellung. Lassen sie sich ansprechen von den Werken, denn immer wenn etwas anklingt, gibt es einen Gleichklang, gibt es Resonanz, gibt es Übereinstimmung zwischen Werk und Betrachter. Wenn ihnen also etwas gefällt, erfahren sie immer schon auch etwas über sich selbst.
In diesem Sinne wünsche ich ihnen einen erlebnisreichen Gang durch der diesjährigen Dezemberausstellung.


Rede zur Eröffnung der Dezemberausstellung 2015/16 Kunstmuseum Winterthur

Ich freue mich, sie im Namen des Kunstmuseums, der Kunsthalle und der Künstlergruppe zur Eröffnung der diesjährigen Dezemberausstellung, welche traditionell das Kunstschaffen der Stadt und der Region hier nun zum 99 mal versammelt, begrüssen zu dürfen.
Ich begrüsse die anwesenden politischen Entscheidungsträger, ich begrüsse die Künstlerinnen und Künstler, die hier in dieser Uebesichtsausstellung ihre Werke zeigen und dann insbesondere auch diejenigen Kunstschaffenden, die nicht ausgewählt wurden, und doch hier anwesend sind, - das ist nämlich nicht so leicht, wie ich selber schon erfahren habe..

Juriert wurden die Eingaben von Astrid Näf für das Kunstmuseum, Joelle Menzi für die Kunsthalle und Nadia Schneider Präsidentin der eidgenössischen Kunstkommission als auswärtige Expertin.

Wenn ich nun, auf die etwa dreissig Jahre Dezemberausstellung, die ich erlebt habe, zurückschaue, drängen sich mir einige Gedanken zu den Veränderungen - Verschiebungen - Transformationen in diesem Zeitraum in den Vordergrund.

Zuerst einmal sicher die Tatsache, dass die Künstlergruppe auf ihre traditionellen Privilegieren verzichtet und sich geöffnet hat und jetzt auch Nichtmitglieder einen uneingeschränkten Zugang zu diesen Räumen hier haben. Aber es sind nicht nur die Veränderungen im Modus der Ausstellung, sondern vor allem auch der andersartige, künstlerische Einsatz der visuellen Ausdrucksmittel und deren Inszenierung, welche das Gesamtbild entscheidend verändert haben.

Es fällt auf, dass das Spektrum der künstlerischen Äusserungen sich stark erweitert hat und dass gemeinsam vertretende Kunstauffassungen fast gänzlich verschwunden sind. Eine gleichsam zentrifugale Zerstreuung hat die Vielfalt anwachsen lassen, die Distanz zwischen den unterschiedlichen Werkauffassungen vergrössert (ich vermeide hier bewusst den Begriff „Positionen“ der mir zu inflationär verwendet wird), die Kunstschaffenden auf ein je eigenes individuelles Profil verpflichtet und sie somit auch zunehmend vereinzelt.
Ein die Gruppe als Ganzes zentrierendes Wir-Gefühl ist kaum mehr vorhanden.

Diese anwachsende, heterogene Vielfalt, macht es denn auch schwierig, einen vorrangigen Grundklang herauszuhören, eine generelle Grundströmung festzustellen.
Die kuratorische Arbeit bei einer solchen Übersichtsausstellung wird zum Hochseilakt mit beträchtlichem Absturzrisiko.

Neben dieser Feststellung einer vermehrt subjektzentrierten Grundhaltung der Künstschaffenden, glaube ich weiter, ein Obsoletwerden der biografischen Markierungen in den Werken erkennen zu können.
zur Erläuterung:
Versuchen sie vor einer Werkgruppe - deren VerfasserIn sie nicht kennen - herauszulesen, ob der/die Kunstschaffende der jungen, der mittleren oder der älteren Generation angehört; - sie werden staunen, wie oft sich sich da täuschten können: Oder versuchen sie zu raten, ob das Werk von einer Künstlerin oder einem Künstler geschaffen wurde. Im besten Fall, wird ihre Trefferquote etwas über 50% liegen.
Aufgrund dieses Befundes, wage ich die These, dass die Generationszugehörigkeit kaum mehr eine relevante Zuordnung ermöglicht, die Kategorisierung nach Generationen zunehmend an Relevanz verliert und dass die sexuelle Differenz, obsolet wird, kein relevantes Merkmal mehr darstellt.

Mit diesem Gedankengang bin ich, ich weiss, jetzt auf sehr vages, schwieriges Gelände vorgestossen, - in ein spekulatives Feld eingetreten.
Die Brisanz liegt hier weniger auf der ästhetischen als auf der soziokulturellen Ebene, denn diese Feststellungen könnten Indizien dafür sein, welche Veränderungen sich im gesellschaftliche Gefüge anbahnen.
Das ist es, - was meiner Meinung nach - die Bildende Kunst zu leisten vermag!

Ich komme jetzt zur Übergabe des Förderpreises der Künstlergruppe

Für die Auswahl sind Dieter Schwarz, Oliver Kielmayer und ich zusammengekommen.
Durch den kollektiven Entscheid ist eine gewisse Intersubjektivität sichergestellt, was nicht heisst, dass das Urteil jetzt objektiv wäre. Ein objektives Urteil gibt es in dieser Sache nicht, denn jedes Urteil ist hier subjektiv eingefärbt, da das Wahrnehmen und Erleben von Kunst zuerst immer schon von einem emotionalen Bezug getragen wird.
Das Urteil ist also bedingt und geprägt vom Profil der Urteilenden.

Dieter Schwarz verfügt über ein umfassendes kunstgeschichtliches Wissen. Sein Blick ist geschult und gleichsam gehärtet an der Betrachtung und Analyse der Werke, die sich in der Kunstgeschichte eingeschrieben haben..
Oliver Kielmayer verfügt über das ganze begriffliche Register der aktuellen Kunstkritik und weiss, was hier angesagt ist, wie der Legitimations-Diskurs von Kunst heute funktioniert.
Ich hingegen kann in diesen beiden Bereichen wenig vorweisen, mein Einsatz richtet sich vornehmlich auf das Aufspüren der Antriebskräfte, welche beim Produzieren einfliessen. Meine Frage ist: - gibt es da eine vitale Auseinandersetzung, ist ein Ringen mit dem Werk spürbar, ein neugieriges Erkunden erkennbar, ein experimentelles Elaborieren von Ausdrucksformen feststellbar, oder ist es nur das Wiederholen und Varieren von bereits bestehenden visuellen Codes.

Die Jury hat gestern getagt und die Preisträgerin bestimmt:
Es ist: Maureen Kaegi

Die Arbeiten von Maureen überzeugen durch eine grosse Sensibilität und einer hohen Präzision bei der Umsetzung.
Konzeptionell als Serie ausgelegt, untersucht die Verfasserin die unterschiedlichen Wirkungen, die durch Überlagerungen und Interferenzen von verschiedenen Strukturen auf der Oberfläche der bearbeiteten Blätter erzeugt werden können, Mit dieser Bearbeitungsweise wird eine Schwingung erzeugt, ein Oszilieren des Farbkörpers hervorgerufen, und dies ohne auf starke Kontraste zurückzugreifen, vielmehr wählt sie einen verhaltenen Farbklang, der den Blättern etwas schwebendes, atmosphärisches verleiht.
Ihre Arbeit ist zuerst einmal ein Erkunden der Gesetzmässigkeiten der Wahrnehmung und das Ausloten des Möglichkeitsraumes bis hin zur Irritation, zum Vibrieren der Fläche, bis zum Störungsbild, wie wir es vom Fernsehbildschirm her kennen.
Bei der Betrachtung ihrer Werke ergeben sich unterschiedliche visuelle Phänomene, je nachdem, ob die Bilder aus Distanz oder Nähe betrachtet werden.
Maureen Kaegi öffnet vor uns ein weites Panorama von visuellen Ereignissen.

Rede zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung 100 Jahre Künstlergruppe Winterthur in der Halle 1020 Sulzerareal

Ich freue mich, sie zur Eröffnung unserer Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum der Künstlergruppe begrüssen zu dürfen.
Nicht erste am Schluss - danke ich zuerst mal allen Beteiligten - allen, die an der Gestaltung diese Anlasses mitgearbeitet haben, für ihren außerordentlichen Einsatz - herzlichen Dank!

Eingangs - einige Gedanken zum Jubiläum:
Heute treffen sich hier und jetzt zwei lange Wege.
Einmal der Weg, den die Künstlergruppe seit seinen Anfängen 1916 bis heute zurückgelegt hat und dann der, den die Gruppe mit der aufwendigen Realisierung des "Buches zum Jubiläum" zusammen mit dieser Grossausstellung hier, zu bewältigt hatte.

Ich möchte beide Wegstrecken kurz beleuchten.
Dass die Künstlergruppe so lange in dem sich stark wandelnden kulturellen Umfeld hat behaupten können, ist aussergewöhnlich - sind Künstlervereinigungen naturgemäss sehr labile Gebilde, strukturell eigentlich eine Unmöglichkeit. Zusammengesetz aus Individualisten, die ihre je eigene Anschauung einbringen und kaum zu Kompromissen bereit sind, ist die Bildung eines Kollektivs sehr schwierig, weil kaum eine gemeinsame Basis, eine gemeinsame Identität sich konstituieren kann. Künstlerinnen und Künstler bewegen sich eh schon am Rand der gesellschaftlichen Normen und Anschauungen und sind gerade deshalb von Interesse, da sie sich nicht nach der durchschnittlichen Mitte orientieren - denn Mittelmässigkeit ist nicht Sache der Kunst - sie bringen eine ungewöhnliche Sicht auf die Wirklichkeit ein, oft mit irritierenden Anschauungen und verzerrten Perspektiven und können so den Bezug zur Wirklichkeit, wie er gerade vorherrscht, aufbrechen und öffnen und damit den Erfahrungshorizont erweitern - also letztlich einen gesellschaftlich relevanten Beitrag leisten.

Warum also hat die Künstlergruppe Winterthur diese schwierigen Voraussetzungen gemeistert?
Aus meiner Sicht haben folgende Voraussetzungen Anteil an diesem Gelingen:

Die Mitglieder der Gruppe hatten nie eine gemeinsame Basis im Sinne formalästhetischer Grundsätze und keine festgeschriebene Ausrichtung im Sinne gemeinsamer Kunstauffassungen, - damit wurde das Obsolet-werden der Grundlage mit den Veränderungen innerhalb der kunstgeschichtlichen Entwicklung verhindert und sie konnte beweglich auf die Entwicklungen reagieren, neue Strömungen integrieren.
Die Gruppe hat nie eine festumrissene Identität gehabt. Das Gefüge des Kollektives basiert seit je auf dem Modus einer Koexistenz und wie es im Wort anklingt - mit " -existenz" - nicht einfach ein Nebeneinander sondern ein „Sich-aussetzen“ und damit das Eintreten in ein Feld der Auseinandersetzungen; - die Geschichte der Gruppe ist voll von Differenzen und Zerwürfnissen.
Diese andauernden Auseinandersetzungen bildeten die Grundlage und den Katalysator, um immer wieder den sich veränderten Bedingungen Rechnung zu tragen und sich in eine je zeitgemässe Form zu wandeln. (die hier eingebrachte Wandabwicklung symbolisiert diese Wandlungen)
Und dann vielleicht und nicht zuletzt sind die örtlichen Bedingungen zu nennen. Die nahe Verknüpfung von ansässigen Industriellenfamilien, die ihre Repräsentationsbedürfnisse mit Kunstwerken umsetzen wollten und so für die Kunstschaffenden vor Ort einen guten Nährboden schafften.

Und vielleicht auch der regionale Charakter der Stadt Winterthur (ich sage nicht provinziell, das eine zu negative Konotation hat)- hat eine persönliche, stabile Nähe unter den Akteuren erlaubt, eine Nähe, die bei einer zentrifugalen Dynamik, wie sie in grossstädtischen, urbanen Räumen vorherrscht, und die in eine heterogene Zerstreuung mündet, kaum möglich ist. Die engen, vielfältigen Verflechtungen ( um nicht zu sagen Seilschaften) haben einiges ermöglicht, was anderenorts kaum zu realisiert wäre - ich denke da mal zuerst an die Erweiterung des Kunsthauses auf privater Initiative und finanzieller Basis.
Soviel zu der spezifischen Struktur der Künstlergruppe.

Und damit zum zweiten, zurückgelegten Weg.
Einigen Gedanken zum Konzept unserer Jubiläumsaktivitäten.
Wir haben uns viel vorgenommen und sind mit hohem Risiko eingestiegen und haben damit auch eine beträchtliche Absturzgefahr in Kauf genommen..

Der Weg war steiler als erwartet, steiniger als erwartet - die Steine schafkantiger als erwartet, sodass es nicht ohne kleine Verletzungen abging - so Schürfungen (also wenn sich unterschiedliche strukturierte Oberflächen unter Druck aneinander reiben - mit der Tendenz zur Blasenbildung)
Wenn man jetzt aber, wie nach einer langen Bergwanderung, nach kräfteraubendem Aufstieg, oben am Gipfel ankommt und sich das Panorama öffnet, ist man dann doch so überwältigt von dem Bild das sich auftut, dass die Schmerzen ausgeblendet werden und man schaut in die Weite der vielgestaltigen Formationen mit den herausragenden, scharf gezackten, einsamen Spitzen und alle Abstufungen bis zu den samft gewellten Rundungen der Hügel in den Niederungen.

Zum kuratorischen Konzept der Ausstellung:
Im Erscheinungsbild, der uns für den Anlass zu Verfügung gestellten Montagehalle sind die Spuren der Arbeitsprozesse eines sehr langen Zeitraums wie Tätowierungen auf den Oberflächen eingeschrieben und die Zeit hat sich gleichsam in "Jahrringen" sedimentiert.
Die Halle ist also zuerst einmal in sich selbst ein vorgefundenes, visuelles Ereignis - gleichsam ein „object trouvé“ das wir aufnehmen wollten, um es weiter zu entfalten und für unsere Zwecke verfügbar zu machen. (die kunstgeschichtliche Kategorie des „objet-trouvé" ist den auch in diesem Jahr gerade eben auch 100 jährig)
Die räumliche Disposition der Halle entspricht einer Basilika-typologie - streng symmetrisch auf eine zentrale Achse bezogen - mit Hauptschiff mit zwei Nebenschiffen.
Wir haben diese Konfiguration neu für unsere Zwecke interpretiert, und mit der Implementierung einer Wand räumlich transformiert, sodass sie den Anforderungen einer Kunstausstellung gerechte werden konnte.
Die übliche Lösung mit dem Aufstellen von weissen Stellwänden, welche einzelne Kojen bilden, hätte die Weite und Grossartigkeit der Halle heruntergebrochen und die Oberflächen der Halle mit ihren Arbeitsspuren gegenüber der reinen Weiss wären als schmutzig und verbraucht wahrgenommen worden.
Die Idee war dann, mit einem schon vorhandenen Material - dem Kalksandstein- eine Wand einzuziehen und zwar in der Art und Weise, welche die Grösse der Halle steigert, den Raum in verschiedene Raumzonen strukturiert und die Bewegung in der Halle führt und dynamisiert und eine abwechslungsreiche Abfolge der räumliche Konfigurationen eröffnet - die Wand kann denn auch mit Bezug auf die Geschichte der Künstlergruppe gleichsam als Leitlinie, - als Rückgrad gelesen werden, welche als Symbol für den von Wandlungen geprägten Weg der Gruppe steht.
Die Materialisierung dieser Intervention setzt sich in einen wechselseitigen Dialog mit dem Vorhandenen und fügt sich zu einem visueller Gesamtklang, gleich einer durchgehenden, tragenden Bassline, (um eine musikalische Metapher zu verwenden)

Alle Künstlerinnen und Künstler der Gruppe waren eingeladen sich an der Ausstellung zu beteiligen.
Das Kuratorenteam hat eine Auswahl der eingereichten Arbeiten getroffen aber ohne jemanden auszuschliessen, das ist sehr unüblich und risikoreich - wir haben es gewagt im Bewusstsein über die Schwierigkeiten beim Zusammenfügen - aber im Willen, das ganze Bild der Gruppe aufzuzeigen und ein Experiment zu wagen, dessen Ergebnis vorgängig nicht absehbar war. Und ich kann jetzt mit einer gewissen Erleichterung sagen : - es ist geglückt. - das Risiko hat sich gelohnt. - die Ausstellung eröffnet ungewohnte Ein- und Ausblicke.

Sie können sich hier, im wörtlichen Sinn, ein Bild der Künstlergruppe machen und ihr gleichsam den Puls fühlen, das qualitative Niveau, die Vitalität und Kreativität und ihr Potential um auch in Zukunft eine Rolle im kulturellen Leben der Stadt spielen zu können.
Ein Rundgang durch die Ausstellung eröffnet ihnen einen Einblick in die aktuelle Verfassung der Künstlergruppe Winterthur.

Um sich über die Geschichte der Gruppe zu informieren, haben wir ein Buch gemacht, das die Entwicklung nachzeichnet und versucht etwas vom Wesen der Gruppe zum Ausdruck zu bringt.
Jedes Exemplar ist ein Unikat, dessen Cover je individuell von einem Mitglied der Gruppe gestaltet worden ist.
Mit dem Gestaltungskonzept, welches das Thema der Arbeitsspuren aufnimmt und jedem Kunstmachenden die Möglichkeit offen liess, dieses Thema auf seine persönliche Art zu interpretieren, widerspiegelt sich nun die Wechselbeziehung zwischen der unverwechselbaren Persönlichkeit des Einzelnen einerseits und das Einbinden in ein kollektives Ganzes andererseits. Im Ergebnis das vorliegt wird die fruchtbare Verschränkung von Individuum und Kollektiv sichtbar und etwas vom Werkstattcharakter der künstlerischen Praxis hat sich eingeschrieben.
Ich bedanke mich nochmals bei allen Beteiligten für ihre Arbeit und insbesondere den Künstlerinnen und Künstlern für ihren ausserordentlichen Einsatz.

Zum Schluss darf ich ihnen Ysamin Afschar vorstellen, sie hat sich bereit erklärt, zu der Ausstellung einige Gedanken zu äussern.
Ich betrachte es als Glücksfall, dass eine kompetente Kuratorin quasi von aussen, also unvoreingenommen an die Interpretation herangehen konnte und gleichwohl ist Yasinin Afschar mit Winterthur verbunden, ist sie doch hier aufgewachsen.
Ich begrüsse Yasmin Afschar ___________________________________________________

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Uebergabe des Förderpreises an Maureen Kaegi
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das Buch zum Jubiläum

Künstlergruppe Winterthur